Die Ewigkeit mit dir – So war er
In diesem Teil geht es um meinen Mann, wie er so war und was ihn ausgemacht hat. Manchmal denke ich mir, er war zu gut für diese Welt. Wenn man sich alles so anschaut, wie viel Hass, Neid und Missgunst es gibt, dann war er schon ein besonderes Exemplar von Mensch. Wenn ihr nochmal den letzten Beitrag lesen wollt, dann geht’s hier lang.
So war er
Mein Mann war ein Unikat. Er hatte immer gute Laune, liebte das Leben, liebte uns, liebte seinen Job und seine Freiheit und er wollte es immer allen recht machen und sein Bestreben war es, dass ich glücklich bin. Er war ein Kindskopf und wollte nie erwachsen werden. Hatte immer den richtigen Spruch auf Lager und war für alles offen. Er machte mit seinen Kindern furchtbare Dummheiten. Wenn ich nur an das Video denke, indem er sich an dem Schminktisch unserer jüngsten, versucht zu schminken. Manchmal musste ich eher ihn schimpfen, als die Mädels.
Er war ein cooler Chef für seine Angestellten und hat sich nicht mit Dingen befasst, die zu stressig gewesen wären. Ihm war wichtig, dass seine Kinder einen guten Schulabschluss haben und einmal auf eigenen Beinen stehen können. Es gibt auch noch einen älteren Sohn, aus einer anderen Beziehung, der uns auch ab und zu besuchte und zu dem er ebenfalls ein gutes Verhältnis hatte.
Er war der großzügigste Mensch, den ich kannte. Das wussten auch unsere Töchter und haben ihm oft schöne Augen gemacht, wenn sie etwas vom Papa haben wollten. Nur äußerst selten hat er NEIN gesagt und meistens dann, wenn ich ebenfalls Einwände hatte. Jetzt muss ich leider öfter NEIN sagen und das ist ihnen am Anfang sehr schwergefallen.
Seine Hobbys – so war er
Seine Hobbys waren die Jagd und seine Autos und ein wenig auch seine Fortbildungen. Ich bin der Meinung, dass eine andere Frau, dass so nicht mitgemacht hätte. Er war viel unterwegs. Oft 4 Abende in der Woche auf der Jagd, etliche Wochenenden auf Fortbildungen, so viele muss man nicht machen, aber die waren immer an tollen Orten und meistens umsonst. Wenn mal eine Weile nichts war, dann fuhr er auf Automessen mit seinem Bruder oder ihm fiel etwas anderes ein.
Ich fand das nicht so schlimm, solange es im Rahmen blieb. Natürlich habe ich mal gemeckert, aber generell bereitet mir das Alleinsein keinen Stress. Etwas anstrengend war es, als die Mädels noch ganz klein waren, da gab es dann schon auch mal Streit. Von meiner Seite her. Er hat nicht gestritten. Er blieb meistens ruhig und hat beschwichtigt und wenn ich richtig mies drauf war hat er gesagt: „Ach Schätzchen, du bist auch süß, wenn du dich aufregst und deshalb lieb ich dich.“
Was er nicht konnte – So war er
Was er gar nicht konnte – sparen – er war kein gewiefter Geschäftsmann, was ich nach seinem Tod ganz schön zu spüren bekam. Ihm war es egal, wenn sein Konto im Minus war und wenn Geld kam dann sagte er, so jetzt können wir uns wieder was Schönes kaufen. Ich hatte da keinen Einblick, hatte mein eigenes Geld und Konto und meine eigene Arbeit.
Ich arbeitete nach den Kindern aber nur noch 12 Stunden in der Woche und das war mein Geld, das ich ausgeben konnte für mich und die Kinder und ein bisschen Haushalt. Alles andere bezahlte er. Wir hatten ein schönes Leben. Ein schönes Haus mit einem großen Pool und mussten nicht jeden Cent umdrehen. Wir waren keine Millionäre und hatten keine nagelneuen Autos, aber immer gute Autos, weil er das so wollte, war ja auch sein Hobby. Einige Jahre hatte er einen Oldtimer, den er gehegt und gepflegt hat. Wir hatten und haben 3 Hunde und das war mein Hobby, das er mir auch ermöglichte durch Zeit die auch er investierte. Er wollte einfach, dass ich glücklich bin und das hat er zum Großteil auch geschafft.
Veränderung – so war er
2019 änderte sich etwas. Er bekam 4 oder 5 Stents am Herzen. Erblich bedingt. Er fiel ein paar Wochen aus und musste auf Reha. Danach hörte er das Rauchen auf, nahm etwas zu und sein Stresspegel stieg. Er steigerte sich sehr in seine Krankheit hinein und verkraftete das nur schlecht. Wirklich gesprochen hat er mit mir darüber aber nicht. Er merkte, dass auch er nicht unverwundbar ist.
Er sagte mal, dass er oft Panik hat, einen Herzinfarkt zu bekommen. Dann kann er nicht einschlafen und denkt zu viel nach. Er nahm dann oft Schlaftabletten. Sein Job stresste ihn dann Zunehmens und er sagte oft, dass er keine Lust mehr auf die Praxis hat. Seine Coolness war nicht mehr so, wie sie mal war. Auch seine Geduld und seine witzige Art litten etwas darunter. Er konnte das aber immer gut überspielen und im Alltag fiel das auch nicht so sonderlich auf. Heute, nachdem ich viel darüber nachgedacht habe, weiß ich es besser. Dadurch bekam er seinen Blutdruck nur schwer in den Griff, die paar Kilo zu viel taten sein Übriges.
Die letzten Monate – so war er
Das letzte halbe Jahr seines Lebens war irgendwie anders. Ich hatte das Gefühl, dass ich total ausgebrannt bin, obwohl es keinen Grund gab. Ich war oft Unzufrieden und er hatte ständig irgendwelche Wehwehchen. Und das nervte mich und ihn und so war das ein Kreislauf, der uns beide etwas voneinander entfernte. Aber ich dachte immer, das wird schon wieder. Wir haben bis jetzt alles geschafft.
Ja das haben wir, nur sein Leben zu retten haben wir nicht hinbekommen. Das Wichtigste was es gibt. Unsere Liebe hat es auch nicht geschafft, ihn zu heilen. Mein Leben gegen sein Leben. Ich würde es vielleicht sogar machen, wenn ich wüsste, dass meine Kinder glücklich groß werden. Aber er wäre wahrscheinlich in der Situation noch hilfloser als ich. Ich weiß nicht, ob er das überstehen würde, wenn er an meiner Stelle gewesen wäre. Er ist viel sensibler als ich und anfälliger für psychische Unzulänglichkeiten. Ich bin da hart im Nehmen aber diese Situation bringt auch mich an meine Grenzen, denn diesen täglichen Schmerz kann man nur sehr schwer ertragen. Alles schmerzt, nicht nur das Herz.

Ich hoffe, ich konnte ihn möglichst gut beschreiben und ihr könnt ihn euch vorstellen, so wie er war.
Ich wünsche euch einen schönen Tag.
Nicole
