Hexen und Prinzessinnen

Mamas, Kinder, Fashion, Bücher und das Leben

clean

Clean von Juno Dawson

*beinhaltet Affiliate Links – Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt


Dieses Mal ein etwas anderes Buch, das ich mir hier ausgesucht habe, aber nicht weniger interessant ist. Ich würde sagen, eine moderne Christiane F.-Geschichte. Allerdings ist die Handlung ganz anders und die Zeiten haben sich geändert. Aber im Grunde genommen kann es genauso laufen, nur hat leider nicht jeder Jugendliche die Mittel, die Lexi in der Geschichte hatte. Das Buch wurde mir über NetGalley, vom Carlsen-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt und ich konnte es schon vorab lesen und relativ pünktlich zum morgigen Erscheinungstermin gibt es meine Rezension. Das Cover ist für diese Geschichte sehr passend und man kann die Personen gut den Charakteren zuordnen.

Clean von Juno Dawson, übersetzt von Christel Kröning

„Wenn ich mich ohne die Pillen und das alles dermaßen ranzig fühle, dann bin ich wohl auf sie angewiesen, was womöglich fast das Gleiche ist wie abhängig. Gibt es überhaupt einen Unterschied? Ich ziehe so erschrocken die Schultern hoch, als kratzte jemand mit den Fingernägeln über eine Tafel. Niemals hätte ich es zulassen dürfen, dass das Zeug, dass irgendwas die Oberhand über mich gewinnt. Ich drücke die Zigarette aus und zünde mir sofort eine neue an. Was ist mit Kurt? Macht ihn das auch zum Abhängigen? So habe ich noch nie über ihn nachgedacht – wir sind doch bloß hin und wieder zusammen high geworden. Sollte nur Spaß sein. War es auch. Jetzt ist es kein verdammter Spaß mehr.“ (Zitat: E-Book Pos.676/680)

Klappentext:

Lexi ist reich, cool, ein It-Girl – und heroinsüchtig. Nach einer Überdosis landet sie in der Clarity-Klinik. Ihr Entzug ist hart, die Therapie schier unerträglich, vor allem die Treffen mit den „Mitinsassen“: Aufputschmittel-Junkie Saif, Trans-Mädchen Kendall, Guy mit der Zwangsneurose, Bulimikerin Ruby, Ex-Kinderstar Brady. Doch ausgerechnet diese fünf werden zu echten Freunden. Und Brady vielleicht mehr. Lexi öffnet sich vorsichtig, beginnt ihr zerstörerisches Leben zu hinterfragen. Aber ist ein anderer Weg überhaupt möglich?

— Ein Buch, das unter die Haut geht: scharfsinnig, scharfzüngig und schmerzlich realistisch! —

Veröffentlichung:

Clean ist am 28.06.2018 als E-Book und als gebundene Ausgabe (400 Seiten) im Carlsen-Verlag erschienen.

Seite des Verlags

Homepage der Autorin

Seite der Übersetzerin

Bewertung:

Clean ist eine Geschichte zum Nachdenken. Sie geht einem unter die Haut und wenn man selber Kinder hat, bekommt man etwas Angst. Obwohl mir das Thema Drogen nicht fremd ist. Ich hatte viele Bekannte, die dem Zeug verfallen sind und ich habe Menschen gekannt, die es geschafft haben, davon los zu kommen und auch welche die es nicht taten. Wenn man stark ist, dann muss man nicht in diesen Kreislauf rutschen. Ich habe niemals starke Drogen probiert, obwohl in meinem Bekanntenkreis relativ viele waren, die es getan haben. Ich wusste immer, dass ich „Nein“ sagen kann und trotzdem habe ich Angst, wenn meine Mädels einmal vor dieser Entscheidung stehen und das werden sie, denn das tun fast alle Jugendlichen.

Lexi, die Protagonistin konnte nicht „Nein“ sagen und landete in einer Klinik. Ohne Wissen ihrer Eltern hat sie ihr Bruder, nach einer zu heftigen Dosis Heroin, dorthin gebracht und Lexi ist überhaupt nicht einverstanden. Sie kann es anfangs überhaupt nicht verstehen, wir er ihr so etwas antun konnte und ist auch nicht damit einverstanden. Aber schon bald muss sie einsehen, dass er Recht und sie ein ernst zunehmendes Problem hat.

Lexi ist eine Hotelerbin, die Eltern sind sehr reich, geschieden und immer beschäftigt. Der einzige Halt ist ihr Bruder Nikolai. Durch ihre erste große Liebe, die wahrscheinlich gar keine ist, kam sie vermehrt mit Drogen in Berührung. Da Geld kein Problem ist, fällt es ihr leicht immer high zu sein. Trotz alldem mochte ich Lexi. Sie ist eine ganz besonderes Mädchen und sehr intelligent. Einen schweren Schicksalsschlag, für den sie sich verantwortlich fühlt, will sie einfach vergessen. Das gelingt natürlich am besten mit Pillen, Koks, etc. Erst in der Klinik wird ihr klar, was sie da überhaupt getan hat. Irgendwie konnte ich sie verstehen. Ein armes, reiches Mädchen, das alles hat, um nichts kämpfen muss und sich auch noch schuldig fühlt. Wie soll eine 17-jährige das alleine überstehen? Ohne Halt und gefestigtem Elternhaus ist dies ja fast unmöglich.

In der Klinik lernt sie andere Suchtkranke Jugendliche kennen und endlich muss sie Verantwortung für andere und sich selber übernehmen, schließt richtige Freundschaften, obwohl diese Personen normalerweise nicht zu ihrem Kreis gehören würden. Sie sieht nicht nur das Äußere, sondern auch die inneren Werte. Doch es folgen natürlich auch einige Rückschläge und so muss sie einsehen, dass das Leben kein leichtes Spiel ist. Ob sie den Kampf gewinnt, kann ich euch natürlich nicht verraten.

Die Jugendlichen in der Clarity Klinik werden ein eingeschweißtes Team. Jeder hat seine eigene Sucht und sein eigenes Päckchen zu tragen. Zwänge, Esssucht, Bulimie, Sexsucht, Borderline. Über all diese Süchte lernt man etwas dazu und jeder der anderen Charaktere hat etwas liebenswertes, einzigartiges an sich. Ich habe sie alle in mein Herz geschlossen. Auch wenn sie keine einfachen Persönlichkeiten waren, litt ich mit jedem einzelnen mit. Vor allem Brady, der Lexi sehr nahe steht, muss mit einer schweren Schuld leben, die ihn in den Abgrund ziehen könnte. Doch die Rechnung hat er ohne die kluge und toughe Lexi gemacht, die alles versucht, um ihm zu helfen.

Leider ist Clean nur eine Geschichte und die Realität sieht meistens anders aus. Denn im Gegensatz zu den Reichen, können sich Normalbürger oder Menschen aus untersten Schichten, solch eine Klinik nicht leisten und landen oft unter einer Brücke. Trotzdem ist es ein Buch, dass Betroffenen Mut machen soll. Jeder kann es schaffen, vielleicht nicht auf so noble Art und Weise, aber wenn man will, dann finden sich Mittel und Wege.

Ich habe Clean verschlungen und konnte nicht mehr aufhören. Leider war es irgendwann zu Ende und ich hoffe, ich finde bald wieder ein Buch in der Art. Vor allem war ich vom Verlauf sehr angetan. Der Spannungsbogen zieht sich durch den kompletten Roman. Man ist sofort mitten in der eigentlichen Story. Es gibt keine großartige Einleitung und es wird auch nicht erzählt, wie es so weit kommen konnte, sondern alles beginnt bei Lexis Einlieferung. Erst nach und nach erfährt man, wieso es überhaupt soweit gekommen ist. In ihren Gedanken und bei den Therapiesitzungen lässt sie ihr Leben noch einmal Revue passieren und der Leser wird in ihre Welt, bevor sie in die Klinik kam, mitgenommen.

Schreibstil von Clean:

Der Schreibstil ist locker und relativ leicht zu lesen. Relativ, weil viele Ausdrücke vorkommen, die wahrscheinlich nur Jugendliche oder ganz junge Erwachsenen kennen, was keineswegs negativ ist. Ich lese so etwas gerne, aber ich musste ein paar Mal überlegen, was das jetzt zu bedeuten hat. Die Protagonisten benutzen natürlich auch nicht so noble Worte, wie „Fotze“ usw. aber ich bin der Meinung, das gehört zu einem Buch über Drogen, Sucht und Jugendliche einfach dazu. Wem so etwas zu viel ist, sollte daher von der Geschichte Abstand nehmen. Clean ist aus Lexis Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben, was für mich sowieso am besten ist und ich mir eine andere Schreibweise bei dieser Art von Story gar nicht vorstellen kann. Nur so kann man die Gefühle der Protagonistin miterleben und sich direkt hinein versetzen.

Ich konnte mir die Charaktere, die Umgebung und auch die Handlungen sehr gut bildlich vorstellen. Ich war sozusagen mittendrin und saß daneben, als Lexi Therapie hatte, als sie mit ihrem Freund telefonierte und als sie ihren Mitstreitern näher kam. Eine durch und durch gelungen Erzählung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Clean
Clean
von Carlsen
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Empfehlung:

Ich kann Clean jedem empfehlen, der gerne dramatische Geschichten liest, der Christiane F. mag und allen, die bereit dazu sind, sich auf eine neue Reise einzulassen. In eine Welt, die perfekt scheint, es aber nicht ist, die Menschen kaputt machen kann und aus der es nur ein entrinnen gibt, Stärke, Mut, Vertrauen und gegenseitiges Interesse. In eine Welt, in der Gefühle erst wieder die Oberhand gewinnen müssen auch wenn sie in die hinterste Ecke verbannt wurden.

Ich gebe Clean 5 von 5 Sterne, 

weil ich die Geschichte liebe, weil sie mich zum Nachdenken gebracht hat, weil ich mit den Protagonisten gelitten, geliebt und gelacht habe. Ein Buch über Sucht, Mut, Gefühle, Freundschaft, Liebe, Familie und das Leben, das nicht immer fair ist.

clean
Clean

Habt ihr schon von dem Buch gehört oder interessieren euch solche Geschichten eher nicht?

Ich wünsche euch einen tollen Tag.

Hier geht es zu meiner letzten Rezension und hier könnt ihr meine Lieblingsbücher shoppen.

Nicole

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*Wenn ihr über die Affiliate Links etwas kauft erhalte ich eine kleine Provision. Euch kostet das Produkt nicht mehr. Vielen Dank für die Unterstützung.

 

3 Kommentare

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