Die Ewigkeit mit dir – Trauer – Teil 1
Heute geht es darum, wie ich, wie wir die Trauer in den ersten 6 Monaten erlebt haben. Jeder trauer anders, das finde ich ganz wichtig zu wissen, denn ich dachte immer, bei mir ist das nicht so, ist das normal? Ja alles ist normal und niemand sollte uns vorschreiben, wie lange und wie intensiv und auf welche Art und Weise wir trauern. Lasst euch nichts einreden. Trauer – Teil 1 geht beim nächsten Mal weiter
Die Trauer in der ersten Zeit – Trauer – Teil 1
Die ersten 6 Wochen war ich krankgeschrieben, dann hatte ich noch zwei Wochen Urlaub und das war die Zeit des Funktionierens. Ich konnte nicht richtige trauern. Ich habe geweint, aber nicht oft und ich habe das ziemlich schnell gemacht, denn dann war auch schon wieder der nächste Termin. Zum Glück konnte ich nach einer Weile wieder gut schlafen. Heute weiß ich, dass sich mein Mann darum gekümmert hat. Ich habe kaum geträumt oder hatte keine sehr unruhigen Nächte.
Nach den 8 Wochen ging ich wieder arbeiten. 3 Wochen später waren Pfingstferien und auch da hatte ich nochmal 1 Woche Urlaub. Im Anschluss arbeitete ich noch eine Woche, dann ging nichts mehr. Das war das tiefste Loch in all der Zeit. Ich war so wütend auf die Welt, auf meinen Mann, auf alles und jeden. Ich konnte mich nicht konzentrieren, hatte keinen Hunger und ich hatte das Gefühl, der Schmerz hat sich tief in mein Innerstes gefressen. Dieser eine Schmerz. Ich weiß nicht ob ihr ihn kennt. Er sitzt unterhalb des Magens und oberhalb des Bauches. Ich würde sagen, da wo das Solarplexus-Chakra sitzt, falls das jemandem was sagt.
Dieser eine Schmerz – Trauer – Teil 1
Der Schmerz, in Form eines Balles, der an der falschen Stelle gelandet ist, sorgt dafür, dass immer ein Druck da ist. Somit hatte ich nie Hunger, keine Energie und ich war einfach nur verzweifelt und so voller Liebe zu meinem Mann, dass ich nicht wusste, wo sie hin soll, weil er ja nicht mehr in meiner Welt ist. Wo soll Liebe hin, die man demjenigen nicht mehr geben kann? Ich wusste es selber nicht. Niemand konnte mich trösten, niemand hatte die richtigen Worte und ich ließ mich nochmal krankschreiben. Ziel war, dass ich nach der Krankschreibung gleich in meinen geplanten Sommerurlaub gehe und somit über 2 Monate Zeit habe, wieder auf die Beine zu kommen.
Das hatte ich mit meiner Psychologin vereinbart, die ich in dieser Zeit 3 Mal besuchte. Ich kenne sie seit vielen Jahren und es hat mir sehr gutgetan, einfach mal reden zu können, ohne dass der Gesprächspartner selber in Trauer ist. Denn die meisten Menschen, mit denen ich sprach, kannten auch meinen Mann und waren ebenfalls traurig. Zu dieser Zeit merkte ich, dass das mit den Trauerwellen wirklich so ist. Ich habe immer angenommen, dass man das nicht so merkt, aber diese Wellen sind das Schlimmste. Noch nie hatte ich so viele verschiedene Emotionen und das von einen Tag auf den anderen. Ich lag auf Badezimmerböden, auf unserem Küchenboden, hatte Panikattacken und konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Natürlich immer, wenn ich alleine war. Sobald meine Kinder in der Nähe waren, habe ich mich zusammengerissen. Ich habe vor ihnen geweint, aber eben nicht diese volle Dröhnung, die einfach raus musste.
Alle ersten Male – Trauer – Teil 1
Ich habe nach diesem Tief gelernt mit den vielen verschiedenen Emotionen umzugehen. Ich wusste in etwa, wann wieder etwas kommen könnte und habe mich gut auf die schweren Tage vorbereitet. Die fielen dann tatsächlich immer so aus, dass ich sie überstehen konnte. Schwere Tage im Jahr, waren für mich alle ersten Male. Jeder 3.des Monats hat mich immer mitgenommen. Mit jedem Monat, der verging, war er länger nicht mehr hier und das schmerzte und machte es immer komischer. Nein, es wurde nicht besser. Besser wurde das Weinen oder der Schmerz, aber jeder weitere Monat zeigt mir, dass es wahr ist. ER KOMMT NICHT WIEDER.
Das war irgendwie surreal, denn er war noch so präsent. Ich sah ihn heimkommen, ich sah ihn, wie er auf dem Sofa liegt. Ich sah ihn, wie er sich morgens von mir verabschiedet, wie er seine Späße macht und ich hörte das Auto, dass die Garageneinfahrt hochfuhr. Manchmal wurde es besser und ich dachte, jetzt bringt die Zeit doch etwas, aber im nächsten Moment, waren diese Gefühle wieder da und er war nicht weg. Dann war da der Vatertag, unser Hochzeitstag, die Geburtstage der Kinder und sein Geburtstag. Der 17.08. war einer der schlimmsten Tage. Er fällt immer in die Woche des Gäubodenvolksfest, das jedes Jahr bei uns stattfindet und wir sind an diesem Tag immer zu viert dorthin gegangen. Die Mädels durften mit den Fahrgeschäften fahren. Wir fuhren immer alle zusammen Riesenrad und Geisterbahn und aßen in einem der Bierzelte etwas Leckeres.
2025 machten wir das auch, aber es war traurig. Ich konnte kaum die Tränen zurückhalten und wir alle drei waren sehr ruhig. Unsere Große wollte am Ende nicht in das Riesenrad steigen und doch haben wir es dann alle drei hineingeschafft. Für ihn und für uns, damit wir uns neue Erinnerungen schaffen. Das ist wichtig und doch wollen wir das eigentlich nicht. Mit dem Papa war alles lustiger. Er fuhr mit ihnen die wildesten Fahrgeschäfte und gab an diesem Tag eine Menge Geld aus. Sie konnten alles fahren, was sie wollten. 2025 wollten sie das gar nicht.
Ich denke, jeder könnte über die erste Zeit etwas anderes erzählen, jeder nimmt es anders wahr und jeder lässt die Gefühle auf seine Art in die Welt hinaus. Aber denkt immer daran. Sie müssen raus, denn verdrängen ist ein großer Fehler. Irgendwann kommt sie dann in großen Schritten die Trauer.
Ich wünsche euch einen schönen Tag.
Nicole
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