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Barackenkinder

Barackenkinder von Marion Schinhofen

*beinhaltet Affiliate Links – Buchwerbung (kostenloses Rezensionsexemplar) – ©der Abbildungen, Beschreibungen und Zitat: Franzius-Verlag


Es fällt mir wirklich schwer, über ein Buch wie dieses eine objektive Rezension zu schreiben. Was man hier liest und erfährt macht einen sprachlos und wütend. Natürlich habe ich schon von den Misständen in der Nachkriegszeit gehört, aber ein Einzelschicksal, so ins Detail beschrieben, schockiert einen dann doch. Ich danke dem Franzius-Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar. Das Cover finde ich sehr passend, allerdings beschreibt es natürlich in keinster Weise das Ausmaß der Geschehnisse.

Barackenkinder von Marion Schinhofen

„Mehr und mehr kristallisierte es sich heraus, dass man uns Kindern viele Jahre unseres Lebens geraubt, uns angelogen, ausgebeutet und benutzt hat. Wir sind mittelalterlichen Ideologien und Sadisten zum Opfer gefallen. Und wer mir heute noch erzählen will, dass vieles davon im Namen des Herrn geschah und Gott uns derartige Bürden im Leben als Prüfung auflädt, den halte ich für geisteskrank! Der muss zum Schutz der Allgemeinheit weggesperrt werden. Es waren Menschen, die es nicht verdient hatten, als Mensch bezeichnet zu werden. Aber wenn ich sehe, welche Verbrechen weiterhin im Namen des Glaubens oder aus Lust begangen werden, scheint Gewaltbereitschaft, Feigheit und Dummheit der Menschen niemals auszusterben.“ (Zitat: E-Book Pos.1860/1865)

Klappentext:

Wir Nachkriegs-Baracken- und Heimkinder
Warum nur habt Ihr weggeschaut und geschwiegen?

Obwohl sie in einer Barackensiedlung aufwächst, deren Bewohner als „asoziales Pack“ beschimpft und ausgegrenzt werden, ist Reginas Leben unbeschwert. Freiheit, Spiele und Spaß bestimmen ihre unbeschwerte Kindheit – bis zu ihrem achten Geburtstag. Mit ihrer Aufnahme in ein Kinderheim beginnt ein jahrelanges Martyrium. Zehn Jahre voller Misshandlungen und Vergewaltigungen, die mit einer Zwangsheirat enden, beginnen. Trotzdem schafft Regina es, der Gewaltspirale lebendig zu entkommen. Und sie rächt sich an ihren Peinigern, wird ein angesehener VIP.

Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und beschreibt den Weg einer mutigen und willensstarken Frau, die es aus den Baracken in die Welt der „besseren Gesellschaft“ geschafft hat. Obwohl Regina, wie sie in diesem Roman genannt wird, etliche Jahre brauchte, um sich von ihren Traumata zu befreien, ist sie heute ein positiv eingestellter Mensch, der mit dem Bericht, der diesem Buch zugrunde liegt, eines erreichen will: Die Wahrheit über die damaligen Zustände in Kinderheimen soll endlich ans Licht kommen.

Es ist ein Roman der es in sich hat, aber viele Wege der Gewaltbefreiung aufzeigt.

Veröffentlichung:

Barackenkinder ist am 06.05.2019 als E-Book und am 17.06.2019 als Taschenbuch (278 Seiten) im Franzius-Verlag erschienen.

Seite des Verlags – zum Buch

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Bewertung:

Normalerweise bin ich eher der Typ, der sich von Büchern unterhalten lässt. Ich mag gerne Geschichten, in denen ich abtauchen und völlig den Alltag vergessen kann. Ich mag aber auch Bücher, die mir eine andere Seite unsere Gesellschaft zeigen, die mir mal wieder die Augen öffnen und Dinge, die ich zwar weiß, aber leider wieder verdrängt habe, zu mir zurückbringen. So ein Buch ist Barackenkinder. Es gab Seiten, da musste ich schlucken, es gab Seiten, da sah ich meine eigenen Kinder vor mir und stellte mir vor, wenn ihnen so etwas widerfahren wäre und ich stellte mir vor, wie es für mehrere tausende von Kinder damals war. Einige Male konnte ich nicht weiterlesen und manchmal auch gar nicht mehr aufhören. Es ist ebenso schrecklich wie wachrüttelnd und niemand wird diesen Gefühlen beim Lesen entkommen.

Die eigentliche Geschichte von Regina ist gar nicht so lange, genauer genommen bis ungefähr 40% des E-Books. Danach geht sie mit ihren Erzählungen in die Tiefe, wie das alles passieren konnte und warum Menschen zu so etwas fähig sind. Es geht um Frauenrechte und um die christlichen Kirchen. Bei einigen Aspekten habe ich kleine Einwände in mir gespürt. Aspekte, die ich nicht ganz so sehe wie Regina. Aber was die Sache mit der Kirche angeht, da bin ich voll bei ihr. Ich wurde wieder daran erinnert, warum ich nicht dort hingehe bzw. nur selten und warum ich mich so dagegen sträube, zu machen, was sie von unseren Kindern verlangen.

Kirchen:

Wir leben in Bayern, da ist das mit dem Glauben und der Kirche noch etwas bürgerlicher und unsere Grundschulen sind meistens kirchlich. Mir widerstrebt hier so einiges und ich habe meine Kinder bewusst nicht im Kinderchor angemeldet, obwohl Freunde von ihnen dort sind. Warum sollen wir in die Kirche gehen, nur damit meine Tochter die Kommunion bekommt. Das nächste Schuljahr wird geprägt sein von Kirchenbesuchen und das Sammeln irgendwelcher Stempeln oder Fähnchen, damit man zur Kommunion gehen darf. Will ich das wirklich machen?

Ich war als Kind fasziniert von der Geschichte Jesu, aber genau wie Regina in diesem Buch erzählt, hat das, was die Kirche macht, nichts damit zu tun, was er uns sagen wollte. Zum Glück musste ich als Kind nicht in die Kirche gehen, manchmal ging ich mit meiner Oma freiwillig am Samstag Abend, aber auch nur, damit ich meine Klassenkameraden treffen konnte, die gehen mussten und ebenfalls dort waren. Für mich hat das alles nichts mehr mit Glauben zu tun. Ebenso werde ich niemals begreifen, warum ein Papst wie ein Star gefeiert wird und die Menschen vor Ehrfurcht in Ohnmacht fallen.

Sexuelle Belästigung:

Womit ich etwas hadere sind die Aussagen, was sexuelle Belästigung ist. Es darf keine Grapscher, Vergewaltigungen oder Nötigungen geben. Wenn wir Frauen „Nein“ sagen, dann meinen wir das auch so und der Gegenüber muss das akzeptieren. Aber wenn ein Mann zu mir sagt (Zitat aus dem Buch): „Rate mal, was ich gerne mit dir machen würde?“, dann fühle ich mich persönlich nicht sexuell belästigt. Klar man muss es von 2 Seiten sehen. Wenn eine Frau das erlebt hat, was Regina erlebte, kann dieser Satz einiges hervorrufen und wahrscheinlich fühlt sich solch eine Frau belästigt. Aber ehrlich gesagt, habe ich schön öfter solche Sätze gehört. Ich habe darüber die Augen verdreht und als Antwort „Träum weiter“ gegeben und fühlte mich persönlich nie angegriffen.

Früher habe ich nebenbei in einem Cafe, Bar bedient. Dort erlebt man so einiges, das könnt ihr mir glauben. Ich hatte schon ein ernst gemeintes unmoralisches Angebot von einem älteren Herrn mit Geld. Er wollte nochmal die Jugend erleben und hätte sich dies einiges kosten lassen. Ich habe komische Einladungen von Männern bekommen, mit denen ich im Traum nicht ausgegangen wäre. Es gab Anmachen, die laut des Buches unter sexuelle Belästigungen fallen würden. Klar es ist manchmal unangenehm, aber ich konnte mich schon wehren und die „tollen“ Angebote habe ich einfach abgelehnt, aber als sexuelle Belästigung habe ich es nicht gesehen, denn ich hatte ja die Wahl und wurde dabei auch nicht in die Ecke gedrängt. Weder körperlich noch seelisch.

Heute würden das wohl viele Frauen anders sehen. Ich könnte da noch so einige Geschichten erzählen, die in anderer Augen wohl an sexuelle Belästigung grenzt, ich sie aber nie so gesehen habe. Vielleicht fehlt uns da der schmale Grat zwischen was geht gar nicht und was muss man auch mal etwas lockerer sehen. Ich kann verstehen, wenn Regina das nicht kann, denn ihre Geschichte lässt keine Anspielung auf sexuelle Dinge zu und mir ist klar, dass eine Frau, die bereits solche negativen Erfahrungen gemacht hat, sich niemals damit abfinden kann, dass Männer sich so verhalten.

Man könnte hier natürlich viel diskutieren, aber das möchte ich nicht. Denn es geht um das Buch Barackenkinder. Fakt ist, dass Regina das Schlimmste erlebt hat, was einer Frau nur passieren kann. Wie können Nonnen und Kirchendiener, die sich Gott und Jesus versprochen haben so skrupellos sein. Das wiederum gibt meiner Meinung zur Kirche recht und ich weiß, warum ich für diese Institution nicht allzu viel übrig habe. Ansonsten beinhaltet die Geschichte noch so einige Details, die mich erschreckt haben. Von manchen Dingen wusste ich nichts, vor allem nicht in diesem Ausmaß. Weitere Themen, die noch sehr intensiv angesprochen werden, sind unter anderem häusliche Gewalt, Verbrechen und Missbrauch an Kindern, Opferschutz, Möglichkeiten der Gewaltbefreiung und Strafmaß für Täter.

Schreibstil: 

Barackenkinder ist flüssig zu lesen, man muss aber immer wieder innehalten, weil einen das Geschriebene sehr mitnimmt. Vor allem die Geschichte von Regina, die am Anfang erzählt wird, schockiert und wenn man glaubt, es wird nicht mehr schlimmer, dann hat man sich getäuscht. Das Buch wird aus Reginas Sicht, in der Ich-Perspektive erzählt. Dies ist hier natürlich perfekt, weil man sich so viel besser in das Geschehen hinein versetzen kann und man das Gefühl hat, sie würde vor einem sitzen und erzählen.

Barackenkinder
Barackenkinder
von Franzius Verlag GmbH
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Empfehlung:

Barackenkinder kann ich eigentlich allen empfehlen. Egal ob ihr gerne lest oder nicht, egal ob ihr normalerweise nur Liebesromane mögt oder Thriller. Dieses Buch erzählt uns etwas von der Geschichte unseres Landes. Wenn ihr so wie ich, in den 70er Jahren geboren seid oder noch später, dann habt ihr persönlich nichts davon mitbekommen, zumindest die meisten. Genau deshalb finde ich es wichtig, dass wir erfahren, wie mit unseren Eltern, Omas usw. verfahren wurde. Man hört bis heute, wie schlimm der 2. Weltkrieg war, aber hört nicht oft davon, was staatliche und kirchliche Angestellte mit den damaligen Kindern gemacht haben. Deshalb lege ich euch dieses Buch ans Herz. Ihr müsst nicht mit allem, was geschrieben wurde, im Einklang sein. Ich glaube auch nicht, dass dies die Absicht der Autorin und von Regina war. Menschen haben unterschiedliche Meinungen, dafür sind wir Menschen, aber einige Fakten lassen sich nun mal nicht verleugnen.

Ich gebe Barackenkinder 5 von 5 Sterne, 

weil es meine Weltanschauung in mancher Hinsicht verändert hat und in einigen Dingen meine Meinung noch gefestigt wurde. Man kann hier so schlecht schreiben, dass ich die volle Punktzahl gebe weil ich die Geschichte so liebe, denn das tue ich nicht. Sie ist schockierend und herzzerreißend, aber auch stärkend, denn ich bewundere Regina sehr, wie sie es geschafft hat, mit dieser Vergangenheit, solch eine starke Frau zu werden. Lest Barackenkinder und macht euch eure eigenen Gedanken und bildet eure eigene Meinung, aber lest es.

Barackenkinder

Sorry, dass die Rezension etwas lange geworden ist, aber ich könnte noch viel mehr über dieses Werk schreiben, nur dass sie dann wahrscheinlich niemand mehr lesen würde.

Ich wünsche euch einen schönen Tag.

Nicole

Hier geht es zu meiner letzten Rezension und hier könnt ihr meine Lieblingsbücher kaufen

Hexen und Prinzessinnen


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