Hexen und Prinzessinnen
Trauer - Teil 2
Alltagsleben,  Für Dich und für mich

Die Ewigkeit mit dir – Trauer-Teil 2

Endlich kommt Trauer-Teil 2. Eine Fortsetzung davon, wie ich die Trauer in der ersten Zeit empfunden habe. Es war nicht immer leicht, aber wir haben es irgendwie geschafft, durch die erste Zeit zu kommen. Neben dem Organisatorischen und dem ganzen Papierkram hatte ich manchmal keine Zeit dazu, aber ab und an, habe ich sie mir einfach genommen. Der letzte Teil endete mit den schweren Tagen und allen ersten Malen, die wir durchstehen mussten. An diesem Punkt geht es heute weiter.

Trauer-Teil 2

Alle ersten Male waren schlimm, aber am schlimmsten waren die, mit denen ich nicht gerechnet habe. Sie nahmen mir die Luft zum Atmen. Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich dachte, dass ich das alles nicht mehr aushalte. Es gab sie immer wieder. Tage, die eigentlich in meiner Erinnerung nicht besonders waren und trotzdem schlugen sie ein. Mit voller Wucht. So schnell, dass ich manchmal gar nicht wusste, woher das jetzt kommt.

Überraschungstage – Trauer-Teil 2

Der erste Volksfesttag war so einer. An diesem Tag findet immer der Auszug statt und einen Tag vorher fragte mich eine Bekannte, ob ich den mit ihr ansehen möchte. Ich hatte gar nicht vor, mir diesen anzuschauen und plötzlich kam es mir. Es wäre das letzte Mal, dass ich ihn aus den Fenstern der Praxis verfolgen kann.

Die Praxis lag mitten am Stadtplatz und von dort sieht man diesen Auszug perfekt. Ich war in unserem ersten Jahr mit ihm dort oben. Wir waren mit den Kindern, als sie klein waren dort oben. Er war mit ihnen alleine dort. Die Mädels waren in einigen Jahren auch mit der Oma in der Praxis und schauten von oben zu. Und 2025 wäre es das letzte Mal. Ich sagte zu und mein Herz schmerzte bei jedem Gedanken daran. Diese ganze Volksfestwoche war für mich schwer. Es liegt ein gewisser Flair in dieser Woche über der Stadt. Es herrscht ein Ausnahmezustand und alle Menschen haben Spaß, es kommen viele Touristen und fast alle haben Urlaub. Nur für mich gab es dieses Flair nicht mehr und das kollidierte mit meiner Stimmung.

Ich dachte nicht, dass diese Volksfestwoche ein erneutes Tief wird, denn eigentlich habe ich angenommen, dass ich vielleicht mal wieder, wenigstens einen Tag Spaß haben, mich unterhalten und alles vergessen kann. Aber das ging nicht. Ich hatte so viele Erinnerungen mit ihm, an diese Volksfestwoche. Obwohl wir die letzten Jahre gar nicht mir viel dort waren, so gab es doch Jahre, in denen wir dort richtig Spaß hatten. Wir tranken zu viel, lachten, trafen Freunde und waren in den ersten Jahren dort verliebt und voll guter Laune. Der Gang durch die Bar eines bestimmten Bierzeltes war für mich, wie ein Stich ins Herz. Ich sah ihn dort stehen, wie er mich fragte, ob ich noch was möchte und schwupps war er wieder weg und holte den nächsten Drink.

Ich sah ihn am Tisch sitzen, wie er seine Maß Bier trank und ich sagte, jetzt reicht es aber, sonst kennst dich wieder gar nicht mehr aus und er nur abwinkte. Diese komplette Woche war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich dachte immer, ich muss jetzt ins Volksfest gehen, wusste aber nicht, warum ich dorthin gehen sollte, da er ja nicht dort ist. Ich ging nicht oft, aber ich ging und jeder Gang war hart und ich hatte keinen Spaß, denn ich konnte mich vorher nicht auf diese Woche vorbereiten, weil ich nicht mit einer Welle deswegen gerechnet hatte.

Der Alltag – Trauer-Teil 2

Bevor ich dann wieder das Arbeiten anfing, habe ich noch einiges erledigt, das für andere nach der kurzen Zeit unmöglich gewesen wäre. Ich habe sein Büro komplett auf den Kopf gestellt. Ausgemistet, umgeräumt und umgestellt und daraus mein Büro gemacht. Ich habe seinen Kleiderschrank ausgeräumt. Das war zugegeben, ein harter Gang. Unter Tränen habe ich die Kleidung herausgeholt und entweder in einen Altkleidersack geschmissen oder in eine Kiste für Second Hand oder in eine andere Kiste zum Verkauf. Meine Große hat mir ein wenig geholfen und jeder von uns hat sich etwas behalten.

Die Wochen danach haben wir gelernt in einen neuen Alltag zu finden, es war immer noch schwer, aber es musste einfach passieren, denn sonst hätte ich nicht weitermachen können ohne meinen Mann. Er fehlt an jedem Tag und das wird immer so sein, aber wir müssen eine neue Geschichte schreiben, neue Erinnerungen schaffen und uns eine neue Welt formen. Er wird uns aber begleiten, auf all unseren Wegen, egal was wir machen und er wird mir dabei zusehen, wie ich eine neue Geschichte mit unseren Kindern schreibe, denn so war er schon immer und er freut sich für uns.

Trauer - Teil 2

Mittlerweile sind 19 Monate vergangen und es gab Auf und Abs in der Trauer. Seit unserem Sommerurlaub auf Mallorca geht es mir besser. Ich habe es akzeptiert, dass mein Mensch nicht mehr so da ist, wie er es immer war. Ich trage nicht ständig diesen Schmerz mit mir und ich kann mich auf wieder auf die Zukunft freuen, auch wenn ich nicht weiß, was diese bringt. Jetzt ist es an der Zeit unsere Geschichte nach seinem Tod zu erzählen und das ist nur unsere Geschichte. Ich weiß auch nicht, wann ich damit so richtig anfange. Vielleicht bald, vielleicht auch nicht.

Ich wünsche euch einen schönen Tag

Nicole

Hier geht es zum Teil 1 der Trauer und hier könnt ihr nochmal alle Beiträge zum Thema sehen.

Hexen und Prinzessinnen

 

 

 

 

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