Die Ewigkeit mit dir – das Organisatorische
Als mein Mann starb ist eine Welt, meine Welt, für mich zusammengebrochen. Ich wusste eigentlich gar nicht wohin mit mir und trotzdem konnte ich am Anfang nicht trauern, denn hatte keine Zeit. Ich musste funktionieren. Für mich, für die Praxis, für meine Kinder, für unsere Finanzen. Die Praxis meines Mannes stand still und ich musste etwas unternehmen. Allerdings hatte ich keine Ahnung, was ich machen soll und ich hatte keine Ahnung von dem Ablauf einer Arztpraxis.
Meine Gedanken waren: Entweder ich lege mich jetzt hin und steh einfach nicht mehr auf, bis ein Gerichtsvollzieher kommt und uns einfach alles wegnimmt, weil die Rechnungen nicht mehr bezahlt werden oder ich bleib stehen und kämpfe und gehe weiter mit dem Wissen, dass ich das schon irgendwie schaffen werde. Natürlich habe ich zweiteres gewählt. Ich habe zwei Kinder, die ich nicht so enttäuschen konnte und ich habe ein wunderschönes Haus, in dem kein anderer wohnen soll. Außerdem hatte ich einen großartigen Mann, dem ich es schuldig bin, sein Leben weiterzuleben.
Das Organisatorische
Also kämpfte ich, ich hangelte mich von Telefonat zu Telefonat. Ich saß mit den Mitarbeiterinnen der Praxis zusammen, die einen besseren Überblick hatten als ich. An dieser Stelle bedanke ich mich wirklich sehr bei allen, ich liebe euch und ohne euch, hätte ich das nicht geschafft und der beste Chef, liebt euch dafür auch. Ich saß Stunden bei unserem Steuerberater, der zum Glück auch ein sehr guter Freund von uns ist und mit meinem Mann schon in die Schule ging.
Und auch mein Mann hat unbewusst eine der besten Vorbereitungen getroffen, die es geben kann. Er hatte schon mal einen Interessenten in der Praxis, dessen Telefonnummer noch bekannt war und der sich selbständig machen wollte. Ihn habe ich angerufen und er war interessiert und so konnten wir dieses Problem ziemlich schnell lösen. Ich habe ihn 2 Quartale als Vertreter eingestellt und danach übernahm er die Praxis und hat natürlich auch eine Ablösesumme bezahlt. Das war wirklich Glück, anders kann man es nicht sagen, denn heutzutage ist es wirklich schwer, noch einen Nachfolger zu finden. Viele finden nie einen und müssen ihre Praxen einfach aufgeben, aber das ist ein anderes Thema.
Der Papierkram – das Organisatorische
Ich werde jetzt auch nicht über den restlichen Papierkram berichten, denn ich glaube, das interessiert die meisten nicht. Es war hart und anstrengend und es war kein Ende in Sicht. Auch als das meiste geregelt war, kamen immer wieder Schreiben, Stolpersteine und Dinge, mit denen niemand gerechnet hat. Meine Mutter stand mir in der Zeit wirklich sehr bei. Sie ist ein Organisationstalent, was so bürokratische Dinge anbelangt und hat alles akribisch sortiert, denn mein Mann war ein Chaot und hatte nur seine eigene Ordnung.
Es gab Schulden, es gab überzogene Konten, es gab aber auch noch Gelder die kamen, aber da muss man sich erstmal durchforsten. Zum Glück war unser Haus abbezahlt und an dieses konnte somit erstmal keiner ran. Das andere musste aber geregelt werden, damit das auch so bleiben konnte. Denn das Haus verkaufen, war niemals eine Option für mich. Es war und ist unser Zuhause und das Zuhause meiner Kinder. Sie haben schon ihren Papa verloren und sollen nicht auch noch ihr schönes Zuhause verlieren.
Die Beerdigung – das Organisatorische
Dann war da noch die Beerdigung. Ich wollte die schönste Beerdigung für den besten Mann. Ich habe so viel Herzblut in die Organisation gesteckt. Da wir aus der Kirche ausgetreten sind, musste ich eine freie Trauerrednerin beauftragen. Ganz ehrlich, das war das Beste, was mir passieren konnte. Das Vorgespräch dauerte 2 Stunden und ich habe geredet und geredet und wollte ihr so viel wie möglich mitteilen. Wie er war, was ihn ausgemacht hat und warum wie ihn so lieben und ihn seine Freunde und Patienten so geschätzt haben.
Sie hat die Beste Rede überhaupt geschrieben und ich liebe sie heute noch und lese sie mir oft durch. Die Musik habe ich ausgewählt und diese 4 Lieder sind bis heute eng mit meinem Mann verbunden. Es kamen die Jäger, die das letzte Horn bliesen und es kamen die Mitglieder der Studentenvereinigung, der er bis zu seinem Tod angehörte. Sie standen Spalier und einer seiner ältesten Freunde hielt eine sehr emotionale kurze Rede. Ich habe meinem Mann einen Brief geschrieben, den die Rednerin in ihre Trauerrede mit einbaute.
Es waren viele Menschen da, genauso wie es ihm gefallen hätte und alle waren berührt und hatten Tränen in den Augen. Mir wurde erzählt, dass man noch nie so viele Männer hat weinen gesehen. Das war mein Ziel und genauso hat er es verdient. Aber ich muss auch zugeben, dass ich bis dato nicht wusste, dass ich sowas organisieren kann. Aber ich habe es mit Hilfe geschafft und ich bin auf alles stolz, was ich in dieser Zeit bewerkstelligt habe. Ich habe unser Leben gerettet, denn ohne meine Kraft, wäre alles, was wir uns aufgebaut haben, verloren gegangen.

Mein Dank geht hier nochmal an alle, die mich unterstützt haben. Vor allem an meine Mama, die Mädels der Praxis und an meine Freundinnen, die ich immer anrufen konnte, wenn es mir schlecht ging. Manchmal habe ich das aber nicht gemacht, weil ich gespürt habe, dass ich das jetzt alleine durchstehen muss.
Ich wünsche euch einen schönen Tag.
Hier geht es zum letzten Teil der Geschichte.
Nicole